Sonntag, 22. April 2007

Spielewoche in Oberhof (Teil II)



Donnerstag war es dann wieder soweit: das große Tichuteamturnier stand auf dem Programm.
Nachdem sich unser 3er Team von letztem Jahr bewährt hatte (jder setzt 2 x aus bei 6 Partien) wollten wir das wiederholen. Dieses Jahr war das Starterfeld mit 24 Teams stärker als letztes Jahr (18). Allerdings meldeten sich 3 Teams kurzfristig ob des guten Wetters ab. Nach dem sehr guten 4. Platz letztes Jahr schafften wir es dieses mal sogar bis aufs Treppchen (3). Im letzten Match war von Platz 2 - 5 alles drin (je nachdem, wie sich die Konkurrenz anstellt). Somit durften wir uns über die Urkunde und einem kleinen Spielepreis freuen.

Dazwischen war noch Zeit unter Autorenkollegen ein wenig zu "Fachsimpeln". Hier Thorsten Gimmler, der als Redakteur für Schmidt Spiele mit ein paar Prototypen angereist war.

Am Abend ging es dann wieder an die "richtigen" Spieltische.
Das neue große Spiel von Days of Wonder Colosseum stand auf dem Programm. Ein wahrhaft großes Spielerlebnis. Nachdem die letzten Spiele aus diesem Verlag eher nur optisch ansprachen und der Spielreiz sehr schnell nachließ, bietet Colosseum endlich auch spielerische einen Leckerbissen. Ähnlichkeiten mit Fürsten von Florenz sind wahrlich vorhanden, aber nicht unbedingt störend, besitzt doch das Spiel reichlich Atmosphäre und bringt sein individuelles Flair rüber. Einzig der große Aufbauaufwand und das Einpacken hinterher trüben etwas den Genuss. Dieses Spiel sollte noch weitere Male auf dem Tisch landen.

Nachdem ich mir in der Tichupause die Regeln von Portobello Market durchgelesen hatte, konnten wir daraufhin gleich eine Partie folgen lassen. So trostlos, wie das Bild rechts, so war auch unser Eindruck. Zu viert kommt jeder Spieler nur ca. 5-6 mal dran im gesamten Spiel. Gezielten Einfluss kann man in dieser kurzen Spieldauer leider nicht nehmen. Möglicherweise entfaltet es sich zu dritt etwas mehr. Hier hätte der Verlag nicht unbedingt das Spiel auf Teufel komm raus zusammenkürzen brauchen, nur damit es ein Halbstundenspiel für Familien wird. Der Prototyp, der beim Hippodice Wettbewerb gewonnen hatte bot hier scheinbar noch mehr Tiefe.

Am nächsten Tag erarbeiteten wir uns Origo von Wolfgang Kramer. Der Spielplan zeigt ein ziemlich quadratisches Europa, das auch noch in ein Koordinatensystem gepresst wurde. Das Setzen der Einflussplättchen wird durch Karten gesteuert, die bestimmte Reihen, Spalten oder Gebiete ansprechen. Punkte bekommt man durch Gründen von Ländern, sowie durch Einfluss bei den Wertungen. Da es immer enger wird auf dem Plan spielt auch der Angriff gegen Spielende eine gewisse Rolle. Hier wird auf der Siegpunktleiste übersprungen, falls auf dem Zielfeld schon eine Figur sitzt. Der Eindruck ist ein wenig gespalten - konnte uns beim ersten Spiel nur bedingt überzeugen.

Venedig von Klaus-Jürgen Wrede kann schon eine Weile in der Brettspielwelt gespielt werden. Wir kannten es dennoch nicht und testeten es nun an. Von den Mechanismen her ist es relativ einfach und gaukelt einem viel Einfluss vor. Dennoch scheint es relativ beliebig was ich tue, bekomme ich doch immer mal ein paar Pünktchen ab. Dass man das Entsumpfen vergessen kann und es dann nichtmehr nachholen darf ist albern, ebenso das ständige Überspringen der Gegenspieler auf der Siegpunktleiste, wobei hier besetzte Felder nichtmal mitgezählt werden. dadurch wird ein Vorprescher IMMER eingeholt- Diese Form von Punktegeschenken und Gleichmacherei finde ich ziemlich grauslig. Bei uns gingen dann auch die Goldplättchen aus, sodass jeder Spieler bevor er seine Aktion machte erst ein Goldplättchen einsetzte, um es daraufhin sofort wieder zu bekommen. Ziemlich unausgegoren und eine einzige Krücke dieser Mechanismus. Fazit: durchgefallen!

Dazwischen wurden wir nimmermüde Notre Dame zu spielen!

Nach Coloretto und Coloretto Amazonas lag uns nun das neue Spiel von Michael Schacht Zooloretto vor. Wie bei Coloretto deckt man Karten (hier Plättchen) auf und füllt somit verschiedene 3er Gruppen. Wenn man meint eine schöne Gruppe (die auch aus weniger als 3 Plättchen bestehen kann) vorzufinden, nimmt man diese zu sich und die laufende Runde ist für einen selbst beendet. Die Tierplättchen legt man in seine Gehege, wobei man leider nur 3 verschiedene Tiersorten (mit Erweiterung 4 Sorten) unterbringt. Leider gibt es 8 oder 9 verschiedene Sorten und hier liegt der Hase im Pfeffer. Ein sehr kurzweiliges und spaßiges Spiel, das mehr Spaß macht, als man zunächst vermuten mag. In lustiger Runde ist es dann auch recht egal wer gewinnt. Es bietet einfach gute Unterhaltung.

Den Tagesabschluss bildete Finden Sie Minden, ein weiteres Erdkundespiel, bei dem man die Lage der Städte einschätzen muss. Dazu ist die Deutschlandkarte in viele Quadrate eingeteilt. Man darf selbst bestimmen, wie genau man meint zu wissen wo die Stadt liegt. Dafür gibt es dann eben mehr Punkte und man darf die Stadtkarte mitunter auch behalten.
Hier hatte ich schnell geführt und war meiner Sache ziemlich sicher. Leider bekommt man als Führender potenziell eine schwerere Städtekarte und hat es damit etwas schwerer... ein schöner Mechanismus. Danach ging nicht mehr viel und mein Schatz fuhr ungefährdet zum Sieg. Wer diese Art von Spielen nicht mag, wird auch Finden Sie Minden hassen. Allen anderen kann das Spiel wärmstens empfohlen werden.

Der letzte Tag sollte dann im Zeichen von Wiederholungen, Prototypen und älteren Sachen (Magellan) stehen.

Zunächst konnte ich unserer Runde Tupai vorstellen, von dem ich wusste, dass es schon nahezu fertig ist. Nach der letzten Äbderung war nur die Frage, ob die Spieldauer jetzt zu hoch ist, aber dem war bei 90 Minuten nicht so. Hier wurden wir noch von der Örtlichen Presse fotografiert. Mal sehen, ob sich der Artikel auftreiben lässt.

Ein älteres Spiel fand danach den Weg auf unseren Tisch: Magellan, ein sehr feines Versteigerungsspiel, das allerdings etwas polarisiert und nicht jedem gefällt. Speziell denen nicht, die eine Abneigung gegen Versteigerungen haben, denn diese sind das Kernelement von Magellan.

Viel Zeit blieb nicht mehr und so spielte man gerne noch "altbekanntes" (Colosseum, Wikinger).
Leider waren einige Leute schon beim Zusammenpacken und brachen gen Heimat auf, sodass man sich in seinem Raum schon wie der letzte Überlebende vorkam. Wir nutzten den Tag spielerisch bis zum Ende aus und ich konnte auch noch meinen dritten Prototypen Kronlanda vorstellen. Ich wusste, dass er noch nicht in allen Belangen funktionieren konnte, aber durch die Testrunde gibt es viele Ansätze, die das Spiel noch voran bringen können. Ein Spielwert ist wahrlich vorhanden, der sich lohnt auszubauen.

Zu erwähnen bleibt noch die Wahl des Pfefferkuchels 2007 - einer Tradition in Oberhof, der ein recht gutes Bild über die Qualitär der Neuheiten liefert. Nicht sehr überraschend, dass Notre Dame und Wikinger mit großem Abstand das Feld anführten.

Eine supertolle Woche ging zu Ende und brachte uns neben einem Großteil des neuen Spielespektrums auch viel Zeit, um liebgewonnene Bekannte wiederzusehen. Oberhof 2008 - wir sind dabei!

1 Kommentar:

Peer hat gesagt…

Bezüglich Venedig: Ich habs dir soch gesagt... :-)